Elmar Schübl – Zu Leben und Werk von Thomas Ring

Sein Anspruch, dass die zu entwickelnde astrologische Auffassung mit der Auffassung der Welt, die maßgeblich durch Ergebnisse der modernen wissenschaftlichen Forschung bestimmt worden ist, in Einklang stehen müsse, war ausschlaggebend dafür, dass sich Ring mit diesen und ihren Theorien intensiv auseinandersetzte. Dies geschah durch Lesen von Büchern; darüber hinaus hörte er in Berlin Vorlesungen bei Einstein (über Physik), bei Hoffmann (über Chemie) und bei Hartmann (über Philosophie). Aus dem Streben, das Ordnungshafte komplexer Zusammenhänge zu bestimmen, wird die Bedeutung auch des Werkes von Hans Kayser wie eigener harmonikaler Studien für Rings Lebenswerk →116. Damit ist auch das Künstlerische angesprochen, Rings bildnerisches Werk, in dem die Auseinandersetzung mit harmonikalen Prinzipien (Proportionen, Farben) so augenscheinlich ist. In diesem Zusammenhang ist aber auch seine Liebe zur Musik zu erwähnen, vor allem schätzte er Johann Sebastian Bach sehr. Ein Nahverhältnis zur Musik ist nicht nur für Ring, sondern auch für die bedeutenden Astrologen Oskar Adler und Dane Rudhyar charakteristisch.

Der Wiener Arzt Oskar Adler (1875-1955), Bruder des Psychologen Alfred Adler, war auch als Musiker tätig; sein tiefsinniges astrologisches Werk ist stark esoterisch ausgerichtet. In vier Bänden erschien «Das Testament der Astrologie» (1991-1993), das hundertfünf Vorträge umfaßt, die Adler in den 1930er Jahren in seiner Ordination vor einem kleinen Schülerkreis hielt. 1938 emigrierte Adler nach London, wo er 1955 starb. Noch in Wien musizierte er mit Arnold Schönberg, der zur Bedeutung Adlers für seine Entwicklung schrieb: «Durch ihn erfuhr ich zum erstenmal, daß es so etwas wie eine musikalische Theorie überhaupt gibt. Er leitete meine ersten Versuche nach ihren Gesetzen, erweckte mein Interesse in Poesie und Philosophie, und besonders muß ich sagen, daß all mein Wissen von Musik, zu dieser Zeit, vom gemeinsamen Musizieren kam … .» Philip Schiffmann, Editorische Notiz; in: Oskar Adler, Das Testament der Astrologie, Bd. 1, München 1991, S. 333. Nach Skiebe waren sich Ring und Schönberg persönlich bekannt.

Dane Rudhyar (1895-1985), der in Paris als Daniel Chennevière geboren wurde, wanderte 1914 in die USA aus. Rudhyar gilt – jedenfalls in der englischsprachigen Welt – als der einflussreichste Astrologe des 20. Jahrhunderts, als Pionier einer neuen astrologischen Ausrichtung («Humanistic Astrology»), in der das «menschliche Vermögen» und dessen Entfaltungsmöglichkeiten im Zentrum stehen. Dies gilt auch für Ring und seine astrologische Auffassung; wirkungsgeschichtlich ist Rings Bedeutung mit jener Rudhyars deshalb nicht vergleichbar, da das Werk von Ring über den deutschsprachigen Raum hinaus kaum bekannt geworden ist. Neben Rudhyars Auseinandersetzung mit verschiedenen psychologischen Schulen ist für die Ausformung seiner astrologischen Auffassung auch seine Beschäftigung mit zahlreichen esoterischen Systemen von Bedeutung. Aus dem umfangreichen astrologischen Werk, das seine Anfänge in den 1930er Jahren hat, sei hier nur sein Hauptwerk «The Astrology of Personality» (1936) genannt. Auch Rudhyar ist ein künstlerischer Hintergrund eigen; Ende der 1920er Jahre erschienen erste Gedichte, einige seiner Kompositionen wurden unter anderem in New York an der Metropolitan Opera gespielt. verständlich. Ring nimmt das astrologische Problem vor dem Hintergrund einer allgemeinen Lebenslehre in Angriff. Ihn beschäftigten die Arbeiten Jakob von Uexkülls und von Hans Driesch, den er dann in den 1930er Jahren in Leipzig besuchte; Ring reiste damals von Oslo nach Graz zurück, wo er im Rahmen eines Parapsychologischen Kongresses referiert hatte. Größte Bedeutung für sein Werk gewann die Auseinandersetzung mit dem Ansatz von Raoul H. Francé, der in seiner zweibändigen Schrift «Bios. Die Gesetze der Welt» (1921)((17. Die zwei Bände «Bios. Die Gesetze der Welt» bilden den vierten und fünften Teil der «Grundlagen einer objektiven Philosophie», die der aus Wien stammende Pflanzenphysiologe Raoul Heinrich Francé (1874-1943) vorgelegt hat. Francé scheint unabhängig von astrologischen Kenntnissen zu seiner Anschauung gekommen zu sein; auf Astrologie kommt er in «Bios» nur zweimal kurz und das in einem negativen Sinne zu sprechen. Bruno von Flüe schreibt: «Für Ring waren Francés Einsichten die Bestätigung und Vertiefung eines Weges, auf dem er sich selbst bereits seit Jahren bewegte. Über den Reichtum, die Fülle der Beobachtungsbeispiele hinaus, gab Francé Ring Formulierungen in die Hand, die für das Erfassen der Planeten-Prinzipien als ‹Bauformen› des Organischen von unschätzbarem Wert sein sollten. Wenn Francé in den Werken Rings, außer der jeweiligen kurzen Nennung, kaum Erwähnung findet, hängt das wohl mit der schwärmerisch-totalitären Seite von Francés Denkstil zusammen. Es scheint, daß Francé der Faszination seiner ‹Weltgesetze› erlegen war und sein Denken ins Abseits tiefsinniger Vereinfachung geriet. (Dies ist übrigens eine Gefahr, die auch der Astrologie jederzeit droht.) Dennoch lohnt es, Francé auf den Wegen seiner Naturbetrachtung ein Stück weit zu folgen. Es erschließt sich einem dabei manches, was direkt ins Zentrum von Rings gründlicher Fassung der Planeten-Prinzipien führt.» (Bruno von Flüe, Das ganze Gesicht meiner Jahre, das Geburtsbild Rainer Maria Rilkes, Stuttgart 1988, S. 17f.)

Fußnoten   [ + ]

1. 16. Damit ist auch das Künstlerische angesprochen, Rings bildnerisches Werk, in dem die Auseinandersetzung mit harmonikalen Prinzipien (Proportionen, Farben) so augenscheinlich ist. In diesem Zusammenhang ist aber auch seine Liebe zur Musik zu erwähnen, vor allem schätzte er Johann Sebastian Bach sehr. Ein Nahverhältnis zur Musik ist nicht nur für Ring, sondern auch für die bedeutenden Astrologen Oskar Adler und Dane Rudhyar charakteristisch.

Der Wiener Arzt Oskar Adler (1875-1955), Bruder des Psychologen Alfred Adler, war auch als Musiker tätig; sein tiefsinniges astrologisches Werk ist stark esoterisch ausgerichtet. In vier Bänden erschien «Das Testament der Astrologie» (1991-1993), das hundertfünf Vorträge umfaßt, die Adler in den 1930er Jahren in seiner Ordination vor einem kleinen Schülerkreis hielt. 1938 emigrierte Adler nach London, wo er 1955 starb. Noch in Wien musizierte er mit Arnold Schönberg, der zur Bedeutung Adlers für seine Entwicklung schrieb: «Durch ihn erfuhr ich zum erstenmal, daß es so etwas wie eine musikalische Theorie überhaupt gibt. Er leitete meine ersten Versuche nach ihren Gesetzen, erweckte mein Interesse in Poesie und Philosophie, und besonders muß ich sagen, daß all mein Wissen von Musik, zu dieser Zeit, vom gemeinsamen Musizieren kam … .» Philip Schiffmann, Editorische Notiz; in: Oskar Adler, Das Testament der Astrologie, Bd. 1, München 1991, S. 333. Nach Skiebe waren sich Ring und Schönberg persönlich bekannt.

Dane Rudhyar (1895-1985), der in Paris als Daniel Chennevière geboren wurde, wanderte 1914 in die USA aus. Rudhyar gilt – jedenfalls in der englischsprachigen Welt – als der einflussreichste Astrologe des 20. Jahrhunderts, als Pionier einer neuen astrologischen Ausrichtung («Humanistic Astrology»), in der das «menschliche Vermögen» und dessen Entfaltungsmöglichkeiten im Zentrum stehen. Dies gilt auch für Ring und seine astrologische Auffassung; wirkungsgeschichtlich ist Rings Bedeutung mit jener Rudhyars deshalb nicht vergleichbar, da das Werk von Ring über den deutschsprachigen Raum hinaus kaum bekannt geworden ist. Neben Rudhyars Auseinandersetzung mit verschiedenen psychologischen Schulen ist für die Ausformung seiner astrologischen Auffassung auch seine Beschäftigung mit zahlreichen esoterischen Systemen von Bedeutung. Aus dem umfangreichen astrologischen Werk, das seine Anfänge in den 1930er Jahren hat, sei hier nur sein Hauptwerk «The Astrology of Personality» (1936) genannt. Auch Rudhyar ist ein künstlerischer Hintergrund eigen; Ende der 1920er Jahre erschienen erste Gedichte, einige seiner Kompositionen wurden unter anderem in New York an der Metropolitan Opera gespielt.