Elmar Schübl – Zu Leben und Werk von Thomas Ring

7     Und das Leben geht weiter
Im Mai 1947 heiratete Ring ein zweites Mal – die Künstlerin Irmtraut Bilger (5.12.1910-6.6.1999), verw. Blum; im Juli 1947 wird ihr Sohn Anselm und im Oktober 1948 ihre Tochter Gundula geboren. Im September 1949 erhielt Ring dann die österreichische Staatsbürgerschaft. Die Kenntnis, dass eine Vielzahl seiner Bilder und Zeichnungen im Berliner Bombenhagel vernichtet wurde, wirkte lähmend auf seine bildnerische Schaffenskraft; obwohl sich Ring im Juni 1949 an einer Ausstellung der «Sezession Graz», anlässlich ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens, beteiligt hatte, überwand er seine Krise erst in den 1960er Jahren. In einem Brief an Hannah Höch schrieb er im Mai 1966: «Seit 2 1/2 Jahren male … ich wieder, nachdem der Komplex ‹Vernichtung der früheren Bilder› ausgeräumt ist. Interessant dabei, daß man nach langer Unterbrechung nicht gleich kann. Kann, was einem vorschwebt, sondern sukzessive sich in Weiterführung alter Formprobleme hinarbeiten muß …»→136. Zitiert aus: Ingrid Skiebe (1988), S. 175. Im Laufe der Jahre entstand ein umfangreiches Alterswerk, das von der Öffentlichkeit während der 1960er Jahre jedoch nicht wahrgenommen wurde. Nur einmal, nämlich in der Ausstellung «Der Sturm – Herwarth Walden und die Europäische Avantgarde – Berlin 1912-1932», die 1961 in der Nationalgalerie Berlin gezeigt wurde, waren Werke Rings zu sehen. Erst Anfang der 1970er Jahre änderte sich die Situation. Nach drei Ausstellungsbeteiligungen präsentierte im Frühjahr 1974 das «studio dumont» in Köln 47 Arbeiten des Künstlers. Nach weiteren Beteiligungen Anfang der 1980er Jahre ehrte im Frühjahr 1983 das Märkische Museum der Stadt Witten schließlich den Maler Thomas Ring mit einer umfassenden Retrospektive. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gewann das dichterische Werk als Ausdruck seiner schöpferischen Tätigkeit wieder an Bedeutung. Es entstand Prosa mit biographischem Gehalt→237. Schon 1920 hat Ring den biographischen Text «Tagebuch eines gottsuchenden Zynikers» geschrieben. In den frühen 1980er Jahren schrieb er noch an einer biographischen Darstellung der Jahre 1914 bis 1921 – «Umbruchszeit».: 1945 bereits der kurze Text «Träume eines Gefangenen»; in den Nachkriegsjahren schrieb Ring dann den 212 Seiten umfassenden Roman «P.O.W. 131» (1948/49), der Erlebtes aus Krieg und Gefangenschaft der Jahre 1917 und 1918 zum Inhalt hat, und den noch umfangreicheren Text «Kindheit», der erst in den 1950er Jahren abgeschlossen wurde; nur die beiden letztgenannten Werke sind bisher in Fortsetzungen – und zwar in den Werkstattblättern – veröffentlicht worden. Neben Prosa entstand auch Lyrik, die in einer Auswahl dann 1985 publiziert worden ist→338. Vgl. dazu: Thomas Ring, Gedichte – Ausgewählt aus den Jahren 1946 bis 1983, Zürich/Stuttgart 1985 Das Schöpferische als Wesensmerkmal Rings manifestierte sich vor allem in seinem astrologisch-philosophischen Werk. Auf die Frage, wer Thomas Ring war, antwortet von Flüe: «Ganz gewiss ein rastlos Arbeitender, der die Stunden des Tages dazu brauchte, sich und den Seinen das Allernotwendigste zum Leben zu verdienen … ‹von mir ist weiter nichts zu berichten, als dass ich die Existenzfrage mit der Sturheit des ägyptischen Mistkäfers, den man darob heilig gesprochen hat, unentwegt zur Pille drehe. Es reicht immer gerade so hin› … schreibt er 1949 an Bender – ein rastlos Arbeitender während des Tages und vor allem auch des nachts: bis in die frühen Morgenstunden hinein schrieb er an seinen Büchern, feilte und formte er an den Texten, die das Vielschichtige seiner Weltsicht in ein Bleibendes und Gültiges bringen. Er lebte ganz und gar in und durch seine Arbeit.»→439. Bruno von Flüe (1993/1), S. 5.

Fußnoten   [ + ]

1. 36. Zitiert aus: Ingrid Skiebe (1988), S. 175.
2. 37. Schon 1920 hat Ring den biographischen Text «Tagebuch eines gottsuchenden Zynikers» geschrieben. In den frühen 1980er Jahren schrieb er noch an einer biographischen Darstellung der Jahre 1914 bis 1921 – «Umbruchszeit».
3. 38. Vgl. dazu: Thomas Ring, Gedichte – Ausgewählt aus den Jahren 1946 bis 1983, Zürich/Stuttgart 1985
4. 39. Bruno von Flüe (1993/1), S. 5.